An einem Freitagmorgen steigen M. und ich in einen Bus, der uns nach Hiroshima bringt. Mein Bekannter reist dank seines JR-Passes mit dem Shinkansen.

Hiroshima soll unsere letzte Übernachtungsstation auf der Japan-Rundreise sein. Das letzte Dormitory-Style Youth Hostel, in dem wir absteigen. Hiroshima – klar, da denkt man an die WW2 und die Atombombe, aber das soll in diesem Eintrag noch nicht behandelt werden. Ein Freund gab uns den Ratschlag „When travelling Japan, it’s good to leave Hiroshima for the last part“, und genau das tun wir auch. Erst haken wir anderen Tourismus ab, bevor wir uns der traurigen Berühmtheit Hiroshimas widmen – das liegt, geneigter Leser, noch zwei Blogeinträge weiter voraus.

selbstgefaltete Kraniche und Lotosblüten

Dennoch kann man sich der Geschichte nicht ganz entziehen, und so liegen gleich im Eingangsbereich unseres Hostels Origami-Papiere und eine Faltanleitung für Kraniche. Das Hostel haben wir wieder im Vorneherein gebucht, und auf der Suche nach der günstigsten Unterbringung wieder einmal einen Glückstreffer gelandet: Ein Jugendherbergszimmer für vier Personen, das wir zu dritt belegen. Die vierte Person, stellt sich heraus, ist ein erstaunlich ruhiger und schüchterner Amerikaner, mit dem wir uns so gut verstehen, dass wir beschließen, morgen gemeinsam auf die Tagestour zu fahren.

Obwohl wir vollkommen erschöpft sind und es in großen Tropfen ununterbrochen regnet, wollen wir noch ein wenig von Hiroshima sehen. So gehen wir, bis an die Zähne mit Regenschirmen bewaffnet, Richtung Shukkeien (縮景園).

Dies ist ein künstlich angelegter Garten, in dessen Zentrum ein Teezimmer steht. Obwohl klein, soll die gesamte landschaftliche Schönheit Chinas darin wiedergespiegelt sein, und durch verschlungene Wege und viele Kurven ist es möglich, dort Stunden zuzubringen. Es ist wunderschön und herrlich grün, nicht zuletzt wegen des nahrhaften Regens, der uns stetig begleitet.

Nach einer kleinen Mittagspause (in der wir auch unsere Füße und Schuhe ein wenig trocknen lassen – unerschrockene deutsche Touristen, die wir sind) besichten wir das Schloss Hiroshimas (広島城, Hiroshima-jô).

Wir werden über mehrere Stockwerke durch eine Mischung von Museum und Geschichtsstunde geführt. Man kann einen Samurai-Kimono und Teile der Rüstung anprobieren und sich über die Geschichte der Burg und Hiroshimas kluglesen. In den oberen Stockwerken kann man eine ganze Menge alter Rüstungen und verschiedene Formen von Schwertern und Dolchen betrachten, was durchaus nicht unspannend ist.

Auf dem Rückweg gen Hostel sehen wir noch einen Baum, über den uns ein Schild verkündet, er habe den Atombombenabwurf überlebt.

dieser Baum hat die Atombombe überlebt

Tokyo, Kyoto – klar, davon hat man schon mal gehört. Da muss man doch hin, wenn man in Japan ist. Aber Naruto? Das ist dem ein oder anderen jüngeren Leser höchstens als Manga (japanischer Comic, 漫画) bekannt. Selbst als Japanologin hatte ich noch nicht davon gehört, bis aus einer zufälligen Begegnung im japanischen Generalkonsulat Hamburg eine Freundschaft mit M. entstand, die ihr Auslandssemester in Naruto (鳴門) verbringen würde. So lud sie meinen Bekannten und mich doch ein, Naruto zu betrachten – mit dem Beisatz: „…mehr als einen Tag braucht ihr dazu eh nicht.“

Tatsächlich ist Naruto nicht gerade groß, und hat hauptsächlich eine Attraktion: einen natürlichen Strudel. Aber fangen wir von vorne an.

So sollte der Strudel in Naruto aussehen

Morgens steigen wir in Osaka in einen Bus, der uns innerhalb von zwei Stunden fast bis nach Shikoku (四国) bringt. „Fast auf Shikoku“, so hatten uns auch alle Japaner die Lage Narutos beschrieben. Lakonisch du etwas verschämt, wie das alle Kleinstadtbewohner tun, wenn Großstadtbewohner zu Besuch kommen, holt uns M. an der Bushaltestelle ab und begrüßt uns mit offenen Armen und hochgezogenen Schultern. „Tja, das ist also Naruto“, sagt sie. Was hat sie denn? Schön ist es hier; wir sind über viele Brücken gefahren, um herzukommen, und um uns herum ist es grün, grün, grün.

Wir besteigen „Sloppy“ (スロッピー), eine urige Eigenart an Transportation, die uns im rasenden Tempo von fünf Stundenkilometern zum ersten Ortsschild Narutos befördert. Dort machen wir pflichtbewusst touristische Beweisfotos, wobei ich es als ‚gut informierter’ Japanologe natürlich nicht lassen kann, eine Pose aus dem gleichnamigen Manga „Naruto“ nachzustellen… Ein bisschen Spaß muss eben sein.

Unsere erste Station ist M.s Studentenwohnheim, um unsere Sachen abzustellen und uns Fahrräder auszuborgen – denn die seien die einzige Möglichkeit, ungebunden von A nach B zu kommen, versichert man uns.

Der Busfahrplan des Wohnheims, aber wie Sie sehen, sehen Sie nichts – es fahren einfach zu selten welche.

Das Studentenwohnheim unterscheidet sich kaum von meinem, bis auf den schönen Ausblick. M. kann morgens den Sonnenaufgang zwischen Bergen und über dem Wasser betrachten – einfach schön.

trocknende Algen am Straßenrand, idyllisch

Wir schwingen uns also auf die Drahtesel, was mir meine Muskeln hinterher noch danken sollen. Wir fahren durch Berg und Tal, an vielen kleinen Seen und Meeresenden vorbei, sehen kleine Fische, trocknende Algen, und sogar einen Rochen.

schwer zu erkennen, so flink schwamm der kleine Rochen...

Es ist wirklich ein bisschen ländlich hier. Irgendwann stellen wir die Räder ab und gehen durch waldähnliches Gestrüpp am Meeresufer entlang – treppauf und treppab, wobei wir darauf vertrauen müssen, dass es unterm Strich aufwärts geht – schließlich wollen wir unter der ganz oben in diesem Beitrag zu sehenden Brücke landen, genauer gesagt: unterhalb der darauf befindlichen Straße entlanggehen, um die Hauptattraktion Narutos zu betrachten: Den Uzushio (渦潮), einen Strudel, der dadurch entsteht, dass zwei Meeresströme aufeinander treffen.

Wir sind pünktlich da, denn wie bei allen gezeitengesteuerten Phänomenen gibt es auch hier eine Hochzeit. Allerdings ist die wirklich Hauptsaison im April, und wir befinden uns bereits im Juni. Dementsprechend sind wir etwas enttäuscht, denn was wir vorfinden, sieht ja gar nicht so aus wie auf den tollen, fantastischen Bildern, die uns die Prospekte gezeigt haben.

nach einiger Mühe entdeckte man doch kleinere Strudelchen. Klick, Foto!

Dennoch verbringen wir eine kleine Weile auf der Brücke, auf vierzig Metern Höhe über dem Wasser, wo sich schäumend und strudelnd zwei Meeresströme aus entgegengesetzten Richtungen treffen, und es ist doch irgendwie beeindruckend.

Den Rest des Abends verbringen wir mit Einkaufen und Kochen – ein Tischgrill ist schnell aufgetrieben, und wir werfen kleine Paprika, Fleisch und Fisch darauf, um einfach nur Zusammensein mit Freunden zu genießen.

unser leckeres und geradezu gesundes Abendessen

Es ist schön, Freunde in dem Land zu haben, das man bereist, denn so konnte ich nicht nur bei M. in ihrem kleinen Wohnheimbett schlafen (gut, dass sie keinen Wert auf die Bettdecke legt), sondern man kommt auch an kleine, aber feine Orte, die einem sonst nicht in den Sinn kämen.

Es ist Montag, und meine Begleitung und ich haben unterschiedliche Pläne. Also teilen wir uns auf, und während er beschließt, sich im Elektronikviertel Akihabara rumzutreiben, erfülle ich mir einen kleinen Japanologen-Traum, und betrachte endlich den Schrein mit eigenen Augen, der weltweit für solch politische Kontroversen sorgt: der Yasukuni-Schrein.

Der Yasukuni Schrein in Tokyo

Übersetzt ist es der „Schrein für ein friedliches Land“, und tatsächlich ist das ganze Gelände mehr ein sehr friedlicher, ruhiger Gedenkpark denn ein Schrein, in denen japanischen Kriegsopfern – einschließlich als Kriegsverbrechern klassifizierten – gedacht wird. Ich greife mir eine Broschüre und betrachte jede Statue ganz genau, während ich durch sich ausruhende, zeitungslesende, snackende Japaner schlendere. So ganz kann ich mich dieser durch die Begrünung geförderten Entspannung nicht entziehen, selbst als ich sehe, wie am schreineigenen Andenkenstand nationalistisch assoziierbare Symbole wie die Chrysantheme oder die alte japanische Flagge (wie die heutige, nur mit roten Strahlen, die aus der Sonne kommen) auf Andenken gedruckt verkauft werden.

Vor einem kleinen Karpfenteich auf dem Yasukuni-Gelände

Das Schreingelände ist riesig, und natürlich darf es an Toiletten nicht fehlen. Wenn der Reiseführer fürsorglich schreibt, dass japanische öffentliche Toiletten nicht ganz den westlichen Ansprüchen genügen, mag er Recht haben. Zusätzlich dazu, dass es sich bei der Toilette wie immer nur um ein Loch im Boden handelt, darf man hier seine Toilettentücher auch noch für einhundert Yen selbst erstehen.

Aber wenn man an deutsche Autobahntoiletten denkt, erkennt man hier vielleicht einen internationalen Standard.

Es gibt eben Verkaufsautomaten für alles...

Abends wollen mein Bekannter und ich wieder Capoeira Bantus besuchen, und so habe ich nach meiner morgendlichen Besichtigung noch ein wenig Zeit totzuschlagen. Ich beschließe, noch einmal durch Kichijoji zu laufen und eventuell ein wenig dem japanischen Nationalhobby – Shopping -  zu frönen.

Durch die Straßen laufend, gucke ich entspannt nach links und rechts, als mein Blick plötzlich an etwas hängen bleibt. Ein Umlaut! „König“, ist zu lesen, und um das Namensschild des Geschäfts rankt sich eine Würstchenkette…. Nähertretend erkenne ich, dass es sich doch tatsächlich um einen Fleischwarenfachhandel nach deutscher Art handelt, und ich betrete das Geschäft, um mir das Ganze mal aus der Nähe anzuschauen.

ein Präsentkorb nach Art deutscher Metzger... mitten in Tokyo!

Die Ablage der Theke ist voll mit Köstlichkeiten, die mir seit Monaten fehlen, wie zum Beispiel richtigem Schinken, Fleischwurst oder Frankfurter Würstchen. Ich beschließe, mein Mittagessen einzunehmen, und bestelle eine Currywurst und eine Brezel. Besonders die Currywurst war hervorragend.

ein Stückchen Heimat...

Fröhlich und mit einer echten deutschen Currywurst im Magen schlendere ich weiter durch die Straßen – bis ich so müde bin, dass die Ladenfronten ineinander verschwimmen. Da betrete ich einen kleinen Laden, bei dem sich von außen nicht erkenntlich zeigt, was er anbietet. Sofort wird mir ein kleiner Pappbecher mit einer Getränkerobe angeboten. Ich schaue mich um, sehe zwei Männer an einem Tisch, auf einem anderen ein benutztes Teegeschirr, und einen freien Tisch… kann man hier wohlmöglich sitzen und gemütlich einen Tee trinken?, frage ich mich und lasse mich auf einen Stuhl an dem freien Tisch fallen. Ich schlage die Karte auf, und tatsächlich springen mir unzählige verschiedene Teesorten entgegen. Bevor ich mich in das Werk vertiefen kann, springt einer der Männer vom anderen Tisch (ein Nicht-Japaner) auf und fängt an, mir die Karte zu erklären. Das muss wohl ein Stammkunde sein, denke ich, und entscheide mich für ganz milden Yanecha (八安茶).

mein Teegedeck

Es stellt sich heraus, dass der nette Mann nicht nur Franzose, sondern auch Besitzer dieses kleinen Ladens ist, und seine Tee-Empfehlung ausgenommen schmackhaft ist. Mit jedem Schlückchen Tee werde ich ein bisschen wacher, entspannter und glücklicher.

Vollkommen erfrischt mache ich mich dann auf, ein weiteres Capoeiratraining bei Cacapa von Capoeira Bantus mitzunehmen – diesmal durchaus anstrengender als das letzte Mal, aber ebenso schön. Danach nimmt uns die Gruppe mit zum Chinesen. Was für ein schöner Tag.

Nikkô (日光) ist wohl in jedem Japan-Reiseführer erwähnt, und das auch ganz zu Recht. Es gibt sogar ein Sprichwort, das besagt, man soll nie „kekkô“ (genug) sagen, bevor man Nikkô gesehen hat. Dementsprechend freue ich mich ganz besonders auf den Besuch und habe hohe Erwartungen.

Schon im Vorneherein erfahren wir, dass jede Tempelbesichtigung dort teuer ist, und so beißen wir in den sauren Apfel und kaufen einen All-Day-Pass. „しょうがない“(shô ga nai), wie der Osaker sagt, da kann man nichts machen.

Natürlich ist so ein berühmter Ort wie Nikkô touristisch erschlossen, und so ist es recht einfach, mit dem Bus zu den berühmten Tempeln zu gelangen. Wir beginnen mit dem Futarasaan-Tempel, and dem mir besonders die Wunschtäfelchen auffallen:

Wunschtäfelchen am Futarasaan-Tempel

Meine weibliche Intuition sagt mir, dass man hier seine Wünsche in Sachen Liebe und Partnerschaft äußert.

Wir gehen einen Weg entlang, der mit steinernen Laternen gesäumt ist. Leider aber auch mit einer Baustellenplane, denn die ständige Erneuerung historischer Gebäude ist leider nicht sehr ansehnlich.

Wir gelangen zum Toshogu-Schrein, der uns verdeutlichen wird, warum und wofür Nikkô so berühmt ist.

Man steigt eine steinerne Treppe hinauf und geht durch dieses große, steinerne Torii, nur um sofort auf einen Platz zu gelangen, an dem sich fotografierende Schulklassen und Touristengrüppchen sammeln. Zur Linken streckt sich die berühmte Pagode des Schreins in die Höhe, die so fein gearbeitet und farbenprächtig ist wie keine, die ich vorher gesehen habe.

Die ganze Pracht, die sich nun erhebt, war ursprünglich nur höchstrangigen Samurais vorenthalten. Am Eingang zum eigentlichen Schreingelände steht eine dementsprechend abschreckende Wächterfigur:

Diese Wächterfigur soll Eindringlinge abschrecken

Überall um uns herum sehen wir nun prächtige Bauten und Dekorationen. Unübertrieben: So ein Überfluss an Schnörkel, Dekorationselementen, Goldüberzug, ziselierten Detailarbeiten, mythischen Tieren und Symbolen ist höchstens mit den mächtigen Bauten der Renaissance-Zeit zu vergleichen.

Eine Aufnahme der Reliefs in Nikkô

Mir gehen beinahe die Augen über, und ich schaffe es gerade, die berühmtesten Orte zu fotografieren. Wir stehen auf einem Platz mit Gebäuden, die ich geradezu profan nennen möchte: Der Pferdestall zum Beispiel. Unterhalb des Daches des Pferdestalls befindet sich jedoch etwas, das weltweit bekannt ist, nämlich die Abbildung der drei Affen, die „nichts Böses sehen, nichts Böses hören, und nichts Böses sagen“.

die drei berühmten Affen

Sie sind Teil einer Schnitzerei, die zwei Wände des Stalls schmückt. Sie zeigt den Kreislauf des menschlichesn Lebens, mit Affen als Protagonisten: die Geburt, Kindheit und Jugend; das Übernehmen von Verantwortung im Erwachsenenalter, die Heirat, sowie den Tod; dazu die Emotionen dieser Perioden.

Direkt gegenüber ist hoch an einem anderen Gebäude eine Abbildung von zwei Elefanten angebracht, die jedoch etwas beängstigend aussehen.

Der Künstler soll aus seiner Fantasie gearbeitet haben, da es damals schlichtweg keine Elefanten in Japan gab.

ein weiteres Prachtstück der Architektur in Nikkô

Spätestens als wir dieses mächtige Tor durchschreiten, steht mein Entschluss fest, zum ersten Mal in meinem Leben ein Foto-Bildband von einem Ort zu kaufen, an dem ich selber war. Meine Augen sind bereits erschöpft, doch es hört nicht auf, prächtig und eindrucksvoll zu sein.

Ein Höhepunkt ist die Besichtigung der „Treasure Hall“, einer reich ausgestatteten Betstätte. Wir zwei Gaijin setzen uns mit einer großen Gruppe Japaner in der Kniehocke auf den Boden (natürlich haben wir die Schuhe vorher ausgezogen) und eine Shrine Maiden beginnt, uns die Bedeutung des Ortes zu erklären. Ich übersetze gleichzeitig für meinen Bekannten aus dem Japanischen ins Deutsche und bin erstaunt, wie gut das funktioniert. Zum Schluss wird uns detailliert erklärt, wie man die Götter anruft, und wir verbeugen uns alle gemeinsam, klatschen in die Hände und äußern in Gedanken jeder unseren Wunsch. Ein Priester segnet uns, und wir werden von der nächsten Gruppe hinausgedrängt.

ein Blick auf Betende in der Schatzkammer

Durch ein kühles Wäldchen, viele Stufen hinauf, gelangen wir zum Grabmal und Gedenkschrein von Tokugawa Ieyasu, der als Feldherr Japan geeint hat und hier wie eine Gottheit verehrt und angebetet wird.

Auch die 眠り猫 (nemurineko), eine Schnitzerei einer schlafenden Katze, besichtigen wir, doch sie ist so klein, dass wir beinahe daran vorbeilaufen. Komfortablerweise ist direkt unter ihr ein Schild mit einem Pfeil angebracht.

Schnitzerei einer schlafenden Katze

Weiter geht es mit dem Bus bergauf, denn wir wollen uns den Chûzenji-See und den Kegon-Wasserfall anschauen. Der See soll ein schönes Urlaubsziel in den Sommertagen sein, doch unglücklicherweise sind wir immer noch mitten in der Regensaison, sodass es eher regnerisch und neblig ist. Noch nicht einmal den erloschenen Vulkan in der Nähe erblicken wir.

Chuzenji-See

Auf den Weg zum Kegon-Wasserfall begegnen wir einem netten Pärchen – er Kanadier, sie Australierin -, und so setzen wir unsere Besichtigung zu viert fort. Kegon Falls ist tatsächlich beeindruckend, und wir benehmen uns wie japanische Touristen, indem wir aus allen Perspektiven von uns Gruppen- und Einzelfotos schießen lassen.

Kegon-Wasserfälle

Mein Bekannter und ich haben zwar wenig Zeit, bis unser letzter Bus fährt, aber für ein gemeinsames Abendessen recht es allemal. So gibt es also in einem nahegelegenen Restaurant einmal die Karte rauf und runter, unter anderem einen ganzen Tintenfisch(kopf):

Dinner!

Nachdem wir mit unseren beiden neuen Bekannten Mailadressen ausgetauscht haben, fahren wir zurück nach Tokyo. Wir beschließen, den Abend in einem Izakaya ausklingen zu lassen (居酒屋). Das sind Bar-Kneipen, in denen man Bier, Cocktails, japanischen Sake erhält, aber auch dazugehörige kleine Speisen.

"einen trinken gehen", japanische Art

Wir bestellen Sake, essen salzig-gekochte Erbsen aus der Schote, Meerrettich und andere Kleinigkeiten, und gehen dann leicht angetrunken und zufrieden von so viel Japan zurück in unser Kapsel-Backpacker-Hostel.

- a sentimental and text-only resumé of 4 months in the greatest city -

I am on my way to Nagoya, where two new aspects of my „日本経験“ are about to beging: staying at a host family and working as an intern for a Japanese company.

In the last days, I had a lot of good-byes. There were my Japanese friends I had met at the unviersity or even just on the street; Capoeira Forca da Arte and Contramestre Espeto; and of course all my international friends from the Orion dorm.

It was hard to find words for each one of them – to most, I tried to say „Well see you some day then“ instead of good-bye.

My stay in Osaka has done a lot for me, I certainly have grown-up more, but I also learned that I will never be really Japanese (no matter how hard I try), especially not a Japanese student. Travelling around even surpassed my expectations; I am fascinated by this country more than ever. All the knowledge I gained while studying in Germany turned out to be very accurate, but I could add a lot of small facts and own experience to it.

Especially Capoeira was great in Osaka. Those who train Capoeira know that it connects people worldwide. Inevitably, I have grown very fond of Capoeira Forca da Arte and CM Espeto, as well as every single of his students. I will never forget the smell of the Espeto Sports Academy in Bentencho and the great times I had there. I learned that Japanese people are very likely to be smaller than me, thus I can take them down easier – I wish! I met so many good Capoeiristas, who taught me many lessons about discipline, flexibility and will power.

We had a great going-away-roda, and Espeto’s words still in my ears, I can only repeat that I am convinced we will meet again, and I will welcome each one of them in Germany or wherever I will be.

Living together in Orion Dorm was amazing, I made friends with people from all over the world, and we spent great nights eating, talking in a language-mix incomprehensible to outsiders, basically having a great time. These guys made me feel at home. Also, I lost and gained a few prejudices and language skills thanks to our international dinner parties. All of them, too, are invited and welcome to Germany or any place I may be.

All in all, four months were way too short a time.  But I am taking with me a lot of wonderful experiences and memories of the people I met and that are now great friends – no matter how far away they will ever be or if there is ever any chance we meet again. They all are a big part of an unforgettable time.

Thank you so much, all of you.

Als Tourist wird kommt man leider oft nur in diejenigen Ecken, die der Reiseführer empfiehlt. Aber bei unserem Tokyo-Besuch wollten mein Bekannter und ich natürlich nicht Capoeira in der Hauptstadt Japans auslassen, und so suchten wir uns die Trainingsstätte von Capoeira Bantus heraus. Dies führte uns an einem warmen Samstagnachmittag in die Gegend um Kichijôji.

Von meinen vorhergehenden Erfahrungen mit Tokyo hatte ich in Erinnerung, dass es eine laute, bunte, große und graue Stadt ist, in der ich niemals wohnen wollen würde. Als wir aber durch die Straßen Kichijôjis gehen, in die Richtung des Inokashira-Parks, revidiere ich meine Meinung. Unzählige kleine Straßen reihen sich aneinander, in denen zwar Gewimmel herrscht, aber ein erstaunlich angenehmes und ruhiges. Kleine Geschäfte und viele Restaurants, Cafés formen die Umgebung. Irgendwann tritt man auf eine Brücke zu, die den Blick auf einen mit Grün gesäumten See freigibt. Ein überraschendes Stück Natur in diesem „alternativen Viertel“.

der See beim Inokashira-park

Von diesem gemütlichen, schönen Anblick angenehm überrascht besuchen wir also das Training von Cacapa der Gruppe Capoeira Bantus.

T-Shirt der Gruppe Capoeira Bantus

Wir fühlen uns sofort sehr willkommen, und das Training macht viel Spaß, obwohl es auf kleinem Raum stattfindet. Die Traningsstätte ist heute tatsächlich ein Grundschul-Klassenzimmer, und es macht Spaß, umgeben von Schultafeln und kleinen Tischen an seiner Ponte und dem Au sem Mao zu feilen.

kleine Trainingsroda

Nach dem Training werden wir eingeladen, zum gemeinsamen Abendessen mitzukommen – es geht in ein nahegelegenes Yakiniku-Restaurant. Dieses Festessen rundet einen perfekten Tag mit Capoeira, in einer der schönsten Gegenden Tokyos, nur noch ab.

Yakiniku

Freitagvormittag machen wir uns auf den Weg, Tokyo zu erleben. Mein Bekannter und ich treffen uns mit drei japanischen Freunden und einer deutschen Kommilitonin in Shibuya, dem trendigen, jungen Shoppingviertel Tokyos. Treffpunkt ist Hachikô (ハチ公). Als ich nachfrage, wo genau das ist, werde ich von meinem japanischen Bekannten ausgelacht – „Hachikô kennt doch jeder.“

Hachiko-Statue

Hachi ist der berühmte treue Akita-Hund, der Tag für Tag auf seinen Besitzer wartete und ihn auf dem Heimweg begleitete. Der Erzählung nach wartete Hachi sogar noch, als sein Besitzer schon verstorben war, und deshalb setzte man diesem treuen Tier ein Denkmal.

Es regnet, und in einer wogenden Menschenmasse mit einem Dach aus Regenschirmen streifen wir durch die Straßen Harajukus.

Die Takeshitardori ist eine kleine Einkaufsmeile mit Läden, in denen man jugendliche Mode sowie Cosplayzubehör erstehen kann. Da wir vormittags unterwegs sind, sind sehr wenige Menschen unterwegs, und so machen wir uns auf den Weg zum Meiji-Schrein (明治神社), der nur zehn Fußminuten entfernt ist.

Das Tor zum Meiji-Schrein

Umgeben von einem kleinen Park herrscht hier gleich eine ganz andere Atmosphäre als im Shoppingviertel. Wir sehen eine kleine Hochzeitsprozession, die nicht nur wir fotografieren.

eine Hochzeitsprozession

Auf dem Rückweg Richtung Shibuya kommen wir an einer Gruppe Schulmädchen vorbei, die mir nicht nur wegen ihrer typischen Schuluniformen auffallen, sondern auch wegen ihrer sehr symmetrischen Gangart:

ein alltägliches Bild... irgendwie

Weil draußen ziemlich unbequemes Wetter herrscht, nehmen wir einfach einen etwas anderen der japanischen Kultur mit und gehen in ein Gamecenter.

völlig vertieft in den "Rhythmuscube"

Auf mehreren Stockwerken amüsieren sich jung und alt an Gerätschaften. Pferdewettrenn-Simulatoren, Killerspiel-Shooter-Automaten, einarmige Banditen und Münzspielautomaten reihen sich aneinander. Zigarettenrauchend hocken Japaner vor den Automaten und werfen eine Münze nach der anderen hinein. Laute Musik plärrt von überall her.

ein Spielautomat, in den man Münzen einwirft, damit hoffentlich wieder welche herausfallen.

An einem der Greifkran-Automaten, in die man ein- oder zweihundert Yen wirft und dann mit einer Greifkralle nach Süßigkeiten, Comicfiguren oder Plüschtieren fischen kann, gewinnt mein Bekannter einen Teddybären – wir applaudieren, denn bisher hat das noch keiner von uns geschafft.

Hungrig von so viel Spielerglück, setzen wir uns in eine Sushibar, in der die kleinen leckeren Reisröllchen auf dem Laufband an uns vorbeilaufen.

Die Sushi-Bar

Mein Bekannter probiert Nattô, und seinem Gesichtsaudruck nach zu urteilen, macht er die gleiche Geschmackserfahrung wie ich: „*kau* ist doch gar nicht so – *kau* oh, moment – *kau* ohhh iiieeeh uhm naja *schnell runterschluck*“… Ansonsten ist das Sushi gewohnt köstlich, und nach einem kleinen Kaffeepäuschen -

my coffee smiles on me! :)

- machen wir uns auf den Weg zum gemeinsamen Abendessen. Mein japanischer Bekannter führt uns in ein kleines Restaurant. Es sieht sehr edel aus, und ohne Reservierung können uns die gepflegten und äußerst höflichen Kellner auch keinen Tisch anbieten. Glücklicherweise trifft mein japanischer bekannter auf einen alten Arbeitskollegen, der im Aufbruch ist – so bekommen wir einen schönen kleinen Tisch zugewiesen. Wie bestellen viele verschiedene Sorten Okonomiyaki, die allesamt noch brutzelnd in kleinen Steinschalen serviert werden.

leckeres Okonomiyaki. Es wird geteilt.

Okonomiyaki (お好み焼き) wird oft als „japanische Pizza“ umschrieben – die Hauptzutaten sind Teig und Kohl, sowie die Sauce, Mayonnaise, Fischflocken und Algen als Topping. Übersetzt heißt es so viel wie „Brat was du willst“ – dementsprechend gibt es Okonomiyaki mit Schweinefleisch, Shrimps, Tintenfisch, Rind…

Jedes schmeckte wundervoll, und nachdem wir den beiden Japanern unter uns ausgeredet hatten, dass sie gemeinsam für uns alle bezahlen, und jeder seinen eigenen (erstaunlich geringen) Beitrag zugesteuert hatte, ging es zu einem weiteren Hauptpunkt des Abends.

der kleine Auswahlmonitor

Für 2000 Yen (etwa 18€) kann man hier die ganze Nacht verbringen – bis zum Betriebsschluss um etwa sechs Uhr morgens. Karaoke bedeutet hier, dass die ganze Gruppe sich in einen separaten Raum begibt, in dem die Karaokemaschine steht, ein Tisch und Bänke an der Wand. Das ganze ist sehr klein; Getränke werden per Telefon bestellt.

ein Madonna-Titel... natürlich nicht im Originalvideo.

Per Funk wählt man sein Lied aus. Selbstverständlich bietet einem das Gerät zuerst Japanische Gossenreißer an, aber auch der durchschnittliche Gaijin findet hier so einiges zum performen. Ein entscheidender Unterschied zu Karaoke in Deutschland (wenn überhaupt vorhanden) ist, dass man nicht vor einem großen, lautlos starrenden Publikum aus größtenteils Fremden singt, sondern nur vor seinen Freunden, die alle mitsingen, mitklatschen und in den Refrain mit einstimmen. Das Song-Auswahl-Gerät wird reihum weitergereicht, es gibt kein Entkommen. Insgesamt fühlt man sich aber nicht bloßgestellt. Japanisches Karaoke dient dazu, mit seinen Freunden gemeinsam Zeit zu verbringen, und da ist kein Lied zu doof, keine Stimme zu schlecht.

und jetzt alle...

Meine persönlichen Liedtitel-Highlight sind – neben dem oben zu sehenden – an diesem Abend das Theme von Sailor Moon (auf japanisch, selbstverständlich) und Macarena, zu dem gnädigerweise auch der ganze Raum tanzte.

Gegen sechs Uhr morgens schwanken wir aus dem Raum, ohne das Gefühl, wirklich über fünf Stunden dort verbracht zu haben.

Von Hakone aus geht es nach Tokyo. Die Fahrt ist nicht sehr lang, und wir laden unser Gepäck in der hiesigen Jugendherberge ab. Wir sind gespannt auf die Schlafkapseln, da sich das Hotel als „Capsule-Backpacker-Hostel“ bezeichnet. Tatsächlich handelt es sich um ein Schlafsaal-ähnliches Flair, in dem die Betten drei Wände und eine Decke aus Holz haben sowie durch einen Vorhang abgeschlossen werden können:

Nachtruhe?

Unser Hostel ist in Shinjuku (新宿), etwas über eine halbe Stunde Fußweg vom JR-Bahnhof Shinjuku entfernt. Dieses Viertel gilt gleichzeitig als Geschäfts-, aber auch als Amüsiermeile Tokyos und ist, ganz wie der Reiseführer verspricht, sehr geschäftig.

Ortsschild in Shinjuku

Wir laufen durch Shinjuku, betrachten große Kaufhäuser und bunte Neonschilder, und landen Dank leerem Magen in einer Tempura-Schnellimbisskette, wo ich mir ein leckeres Tendon (天丼, verschiedene Sorten des in japanischer Panade frittierten Gemüses und Fisch auf Reis) bestelle.

Mmmmh, Tempura

Natürlich betreten wir einen Supermarkt, da wie immer im Hostel Selbstverpflegung gilt. Ich ergattere folgendes Foto, das die horrenden Preise von Obst in Japan mehr als verdeutlicht:

1800 Yen entsprechen etwa 16€

In Hostels finden sich meistens Nicht-Japaner, und da es besonders in Schlafsälen eine sehr heimelige Atmosphäre ist, kommt man schnell ins Gespräch. Wir lernen also einen jungen Mann aus Israel kennen, mit dem wir gemeinsam durch die Straßen ziehen.

Zuerst essen wir gemeinsam ein kleines Abendessen in einer Yakitori-Bar. Yakitori (焼き鳥) sind gebratene Hühnerspieße, die sich hervorragend mit einigen weiteren kleinen Beilagen (wie Tofu oder gebratenem Gemüse) zu Bier (Kirin oder Asahi Nama) essen lassen.

Natürlich gilt der Ruf: „Lassen wir die Japanologin bestellen“. Also schnappe ich mir die Speisekarte und starre einigermaßen ratlos auf Begriffe für verschiedene Teile verschiedener Tiere – so was bekommen wir im universitären Sprachunterricht natürlich nicht beigebracht. Um Zeit zu gewinnen, setze ich meinen beiden männlichen Begleitern das erste Bier vor und bitte einen der drei jungen Angestellten, die sich (wahrscheinlich über meine mittelmäßigen Japanischkenntnisse amüsiert) um mich herum stellen, einige „食べやすい“ Yakitori zu bringen, also „leicht zu essende“. Die interessanteren Teile (Magen, Leber, oder auch mir völlig unbekannt) spare ich für später auf. Dazu kommt eine Menge Gemüse, unter anderem 得た豆 Etamame, gesalzene und gekochte Bohnen, die zum Bier einfach köstlich schmecken.

Nicht nur schmeckt uns alles mein wild durch die Karte zusammenbestelltes Abendessen ganz wunderbar – wir kommen auch alle mit etwa 800Yen weg, wobei davon etwa die Hälfte ein Bier pro Person ausmacht.

Shinjuku nachts

Mit vollem Bauch laufen wir durch das nächtliche Shinjuku, auf der Suche nach einem Panoramablick über Tokyo. Das Rathaus hat natürlich spätabends schon zu, aber wir finden das Park Hyatt Hotel Tokyo, das ebenfalls ein hohes Gebäude ist.

Fahrstuhlknöpfe

Der Fahrstuhl lässt uns keine große Wahl – wir fahren also im Affenzahn in den 41. Stock, wo wir in einer Lobby-Bar stehen. Die Fenster sind aus Glas, und da nichts los ist, machen wir viel Fotos von Tokyo by night.

Ein weiterer Fahrstuhl führt uns noch hinauf in den 52. Stock, in dem es eine Grillbar gibt – doch die japanische Platzanweiserin ist nicht begeistert von Touristen, die nur kommen, um das nächtliche Panorama zu fotografieren.

Der Blick über Tokyo ist faszinierend; erleuchtete Hochhäuser reihen sich aneinander und blinken in die Nacht, die von oben winzig wirkenden Straßen sind kleine Lichterschlangen, es ist dunkel und gleichzeitig hell.

Obwohl man uns gewarnt hatte, dass das Wetter nicht mitspielen würde, beschlossen wir, an diesem Tag den höchsten und berühmtesten Berg Japans zu besuchen – den Fuji. Allerdings seien wir ja mitten in der Regensaison, und so, sagte man uns, sollten wir doch mit Regen rechnen.

Wie echte Deutsche zogen wir uns also Wanderkleidung an – festes Schuhwerk, lange Hosen, Hut und Rucksack –, nur um dann den Bus für uns den Aufstieg machen zu lassen.

im Bus zum Fuji-san

Der Berg ist in mehrere Stationen unterteilt, und mit dem Bus kamen wir bei der 5. Station an, die auf 2305m Höhe (von insgesamt 3776m) liegt. Frisch angekommen, ignorierten wir die ganzen Souvenirshops und touristischen Restaurants und genossen den ersten Anblick, der sich uns bot:

willkommen auf dem Fuji

Wie man sehen kann, war das Wetter herrlich.  Strahlend blauer Himmel mit herrlich wärmendem Sonnenschein – entgegen aller Prognosen. Wir hatten etwas vier Stunden Zeit, bis der letzte Bus uns wieder ins Tal bringen sollte, also machten wir uns gleich an den Aufstieg.

Den Blick auf den noch leicht schneebedeckten Gipfel zu unserer Linken, stapften wir über die schwarz-braune Erde des erloschenen Vulkans. Der kleine Rund- und Aufwärtsweg führte durch Bäume, die einerseits vor saftigem Grün strahlten, andererseits keinen Zweifel offen ließen, dass wir uns hier nicht im Schwarzwald befanden.

Bäume bergab

Zur rechten bot sich der Blick auf das Tal, in dem man Teile der Fünf-Seen-Platte und weitere Berge erkennen konnte, die vielleicht die südlichen (japanischen) Alpen (南アルプス) waren. Alles war umgeben von einer beeindruckenden Wolkenmasse, die sich zuerst unter uns befand, aber im Laufe des frühen Nachmittages höher und höher stieg.

Blick auf den See, durch die Wolken

Wir begegneten Schulklassen (die uns begeistert ein „Hello“ oder „Konnichiwa“ entgegenschmetterten) und anderen Wanderern, aber keiner von ihnen machte so begeistern Fotos wie ich. Jeder Stein, jede Wolke, jeder Baum war ein wunderschöner kleiner Moment, den ich mit meiner Digitalkamera festzuhalten versuchte.

Irgendwann stießen wir auf ein Schild, das nach näherer Betrachtung erläuterte, wie man anhand des Wolkenstandes um den Gipfel erkennen konnte, welches Wetter herrsche.

ein japanischer Wandersmann vor der Wettervorhersage des Fuji

Nach etwa anderthalb Stunden Spaziergang beschloss ich, wieder zurück zur Station zu gehen und Tourist zu spielen. Ich besuchte die Souvenirläden und kaufte Postkarten, die ich auch sofort beschrieb und abschickte. Mit dem Rücken an eine kleine Steinmauer gelehnt, den Blick gen Fuji-san-Gipfel, füllte ich Zeile um Zeile, neugierig beobachtet von den Fuji-Guides. Schließlich sprach mich einer von ihnen an, um zu fragen, ob ich ein Bild zeichne. Ich hätte liebend gern bejaht, konnte es aber nicht. Die Enttäuschung des japanischen Guides konnte ich nur durch meine Beherrschung der japanischen Sprache wettmachen, die anscheinend so gelungen war, dass mich gleich noch drei andere Guides ansprachen, bis ich mich wieder meiner Post nach Hause widmen konnte.

Natürlich gibt es auf dem Fuji auch einen kleinen Tempel, den ich selbstverständlich besuchte.

eine kleiner, etwas versteckter Tempel auf Station 5

Bevor wir die Heimfahrt begannen, lernte ich noch einen Franzosen kennen, der den Aufstieg zu Fuß gemacht hatte, und mir in perfektem Deutsch von seinem Abenteuer erzählte. Aus seinen Erzählungen klang heraus, dass es sich durchaus lohnt, den Fuji-san zu Fuß zu erklimmen.

ansteigendes Wolkenmeer im Laufe des Nachmittages

Zurück im Hostel, fragten wir nach einem Restaurant mit lokalem Essen, und man schickte uns in diese Lokalität:

Am Eingang zogen wir die Schuhe aus und ließen uns auf Socken zu einem typisch japanischen Hocktisch führen – das bedeutet, dass man fortwährend auf seinen Knien sitzt. Allerdings bekamen wir einen für Gaijin und sonstige Schummler zugewiesen, sodass wir unsere Beine in eine Vertiefung unterhalb des Tisches ausstrecken konnten.

das Interieur

Die hier zu erhaltene lokale Spezialität nannte sich Hôtô (ほうとう). Wie bei vielen japanischen lokalen Besonderheiten, kann man das Gericht als Nudelsuppe beschreiben. Allerdings ist Hôtô deutlich anders als die sonstigen Udon und Ramen, die sich je nach Region hauptsächlich durch ihr Topping unterscheiden.

Meeresfrüchte-Hôtô mit Kelle

In einer schmackhaften Brühe schwimmen flache, aber breite Nudeln, die beinahe einen halben Meter lang sind. Darauf kommt alles mögliche, in diesem Fall: Meeresfrüchte, Wachteleier, Kürbis, Süßkartoffel…

Unnötig zu sagen, dass die Mahlzeit uns hervorragend mundet.

Satt und bereits sehr glücklich mit dem Tag spazieren wir noch einmal um einen Teil eines Sees herum. Einzig die Brücke und das Ufer sind beleuchtet. Wir schnappen uns zwei Stühle und ein mitgebrachtes Pandeiro, um den Tag mit Musik und Gesang ausklingen zu lassen.

Es ist ein Dienstag, Mitte Juni, und mit einem Bekannten aus Deutschland starte ich eine Städtereise durch Japan. Im Groben ist alles geplant, aber die Feinheiten sollen noch für genügend Organisationsdurcheinander sorgen.

im Shinkansen

Etwas müde vom frühen Aufstehen starten wir in Osaka unsere Fahrt nach Hakone. Hier zeigt sich der Vorteil des so genannten JR Pass, mit dem man jeden Transportationsweg der Japan Railways Group nutzen kann. Der JR Pass ist allerdings nur für Touristen, und das bin ich mit meinem Studentenvisum natürlich nicht. Zähneknirschend bezahle ich also einen Preis, der sich vor dem Wucher der Deutschen Bahn nicht verstecken muss, und steige in den Shinkansen.

Mehr oder wenig gemütlich schlummere ich eine Stunde vor mich hin, und der Zielbahnhof rückt näher. Naja, nicht ganz der Zielbahnhof.  Drei Mal steigen wir noch um, unter anderem im gemütlichen Dörfchen Matsuda. Dort fahren die Bahnen auch nur alle vierzig Minuten, und unsere Wartezeit verbringen wir in einem kleinen Café mit einem Matcha Float (抹茶フロート), einem kalten Grünteegetränk, auf dem eine köstliche Kugel Vanilleeis schwimmt.

Bei einem unserer vielen Zwischen- und Umsteigestopps treffen wir auf eine japanisch Bahnhofsangestellte, die nicht nur fließend Englisch spricht, (durchaus eine Überraschung hier,) sondern auch einwandfreies Deutsch.

Endlich, nach schier endloser Reise, landen wir am Bahnhof Kawaguchiko. Das Schild der Bahnhofstoilette verrät auch gleich, weswegen es Touristen hierher verschlägt:

recycle dein Toilettenpapier - dem Fuji zuliebe

Wir sind nämlich eigentlich schon über das für seine Naturparks bekannte Hakone hinaus und in einem kleinen Ort näher am Berg Fuji.

Unsere Unterkunft ist das K’s House Mt. Fuji, eine Jugendherberge, in der die Besitzer selber auch leben und kochen. So herrscht dort eine sehr nette, familiäre Atmosphäre, und auch wenn die Zimmer nicht die neusten sind, fühlen wir uns pudelwohl.

Wie im Ryokan-Hotel schläft man hier auf einem Futon auf dem Boden

Da durch die Reise der Tag eigentlich schon beinahe wieder rum ist, wandern wir noch ein wenig durch das Dorf, das sehr klein und idyllisch ist. Kaum ein Auto fährt vorbei, sodass wir größtenteils auf der Straße laufen. Wie sehen hübsche, gepflegte Gärten und Familienhäuser- touristisch wirkt hier eigentlich nichts.

die Szenerie Kawaguchikos

Mit einem Rabattgutschein vom Hostel gehen wir zuletzt noch zu einem der örtlichen Onsen (温泉), einer heißen Quelle. Leider keine natürliche, die sich im Gestein von unterirdischen Quellen speist, aber schön war es trotzdem:

die Fassade des Onsen-Hauses

Für einen Onsen-Besuch gibt es ganze Regelbücher, denn er unterscheidet sich völlig von einem normalen Schwimmbadbesuch. Zuerst einmal schwimmt man nicht, man sitzt nur, und zwar in richtig heißem Wasser. Dazu ist man vollkommen unbekleidet. Das hatte nicht nur zur Folge, dass mein Bekannter und ich nach Geschlechtern geteilt jeder alleine gebadet haben, sondern auch, dass meine kleine Kamera draußen bleiben musste.

Da es inzwischen abends war, waren wir beinahe alleine im Onsen – ich verstaute meine Kleidung und nahm nur mein Mini-Handtuch mit in den Badebereich, wo man sich erstmal auf einen kleinen Hocker zu setzen hatte. Es folgte das gründliche Abduschen – ganz typisch mit einem kleinen Holzkübel, den man füllen und statt der Duschbrause benutzen konnte. Die Onsen-Regeln für Gaijin hatten extra gewarnt, dass man sich besonders gründlich abwaschen sollte; manche Japaner würden dafür bereits eine halbe Stunde in Anspruch nehmen, weil sie den Prozess so genössen.

Glänzend sauber trat ich also hinaus in Freie und setzte mich das heiße Bad – und fühlte mich schon nach wenigen Minuten gut durchgegart. Die verfügbaren Bäder rangierten zwischen 40°C und 49°C, und ich hielt es keine fünf Minuten aus, ohne wenigstens einen Schluck kalten Wassers aus dem dortigen Wasserhahn zu trinken.

Mit meinem kleinen Handtuch zusammengefaltet auf dem Kopf, dem Großteil des Körpers in beinahe zu heißem Wasser und leichtem Nieselregen auf den Schultern fühlte man sich aber schon richtig japanisch, und so machte es dann auch nichts, dass uns im Hostel dann eine monströse Ameise begrüßte:

Vergleich neechans Hand und die Monsterameise

Durch das Onsen waren wir unglaublich entspannt, und schliefen sofort und problemlos ein.

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